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Wie Mode ein Mittel sein kann, um Inklusion und Diversität durchzusetzen


Bis heute sind etliche Bereiche des alltäglichen Lebens vielen Menschen schwer zugänglich. Das bemerkt man auch in der Modeindustrie. Auf Menschen mit Körpern, die von vermeintlichen Normkörper abweichen, wird sich in der Modewelt kaum bezogen. Passende Mode zu finden bleibt daher ein Umstand mit hohem Ausgrenzungspotential. Inklusion in der Mode bedeutet natürlich nicht nur, das Angebot passender, modischer Kleidung zu erweitern. Besonders geht es darum, durch smarte Lösungen die Selbstbestimmung des eigenen Lebens zu erhöhen. Online ist das Angebot adaptierter Kleidung bisher überschaubar. Der Gang zum Schneider, nachdem man ein neues Kleidungsstück gekauft hat, ist unerlässlich. 

Somit wird passende Kleidung zu einem Privileg. Der Wunsch nach gut sitzender und individueller Kleidung wird für eine Person mit Behinderung potenziell zum Luxus. Zeit- und Kostenaufwand bzw. Auch das fehlende Angebot machen den konventionellen Einkauf nicht gleichberechtigt.

Dabei ist Mode ein mächtiges Instrument. Sie ist allgegenwärtig und immer um uns herum. Menschen haben das Bedürfnis sich zu kleiden und ihre Individualität auszudrücken. Dennoch wird das Potenzial von Mode in einem gesellschaftlichen Kontext nicht hinreichend genutzt. Vielmehr wird der Stellenwert von Mode als Teil eines gesellschaftlichen Gefüges bagatellisiert und kleingeredet.

Die Modeindustrie ist per Definition Exklusiv

Mode hat grundsätzlich etwas Exkludierendes an sich. Dem Träger oder der Trägerin von modischer Kleidung geht es bewusst darum, aus einer Masse hervorzustechen. Mit Mode grenzt man sich ab, von anderen, von altem und von der Masse. Das Grundprinzip adaptiver Kleidung hingegen ist Inklusion. Somit steht sie im Kontrast zum exklusiven Prinzip der Mode.

Trotzdem spielt die Selbstdarstellung durch modische Kleidung in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es sollte daher kein Privileg sein, sich ebendiese Kleidung selbst auswählen zu können.

“I want garments that reflect my personality. It's difficult to find in the childrenswear department. And often womenswear requires far too many alterations. I want shoes that affect my maturity, professionalism and sophistication. Instead, I'm offered sneakers with Velcro straps and light-up shoes.” (Burke, 2017)

Unsere Gesellschaft stellt einerseits einen Anspruch an Inklusion, doch wird diesem lange nicht gerecht – jedenfalls nicht in Mode, noch weniger in der allgemeinen Gesetzeslage. Um beim Thema »Mode« zu bleiben: Kleidung kann Anlass zur individuellen Bewertung geben, Grund von Ausgrenzung sein, wenn es nicht einem kollektiven Mindset folgt. Für marginalisierte Menschen und Gruppen kann durch Kleidung, Ausgrenzung um einen weiteren Faktor verstärkt werden.

Inklusion in der Mode kann nicht stattfinden, ohne dass wir darüber hinaus für mehr Inklusion sorgen. Mit dem Bundesteilhabegesetz im Rahmen der UN-Behindertenkonvention sollte hierfür eine Lösung gefunden werden, dennoch ist die Kritik am Gesetz bis heute laut.

Auch in den Medien und der Öffentlichkeit werden Menschen mit Behinderungen unterrepräsentiert. Beides hat zur Folge, dass durch fehlende Visibilität von Menschen mit Behinderungen ein Nebeneinander anstatt ein Miteinander geschaffen wird. Damit Mode wirklich inklusiv werden kann, müssen wir gemeinsam für ein Aufbrechen alter Normen, im Kopf, der Politik und der Gesellschaft, sorgen.

Passende Kleidung ist ein Privileg

Eine nicht-behinderte Person findet im Normalfall in jedem Bekleidungsgeschäft ihrer Wahl passende Kleidung. Seit einigen Jahren findet man in kommerziellen Geschäften auch immer mehr Mode für besonders zierliche oder große Personen. Die Mühlen mahlen langsam in der Modewelt, denn trotz Veränderungen sucht man die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Onlineshops oder stationären Einzelhandelsgeschäften vergeblich.

Insbesondere Menschen mit Kleinwuchs müssen nach fast jedem Einkauf das erworbene Kleidungsstück von einem Schneider oder einer Schneiderin anpassen lassen, bevor sie es tragen können. Das ist unumgänglich mit weiterem Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Leider gibt es wenige Modelabels, die Kleidung für Menschen mit Behinderungen mitdenken. Das liegt zum einen an der langjährigen Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen und zum anderen an der Scheu der Modebranche neue Wege zu beschreiten. Denn obwohl sich die Modewelt in einer Tour mit Trends beschäftigt, ist sie im Kern sehr starr und Prozesse entwickeln sich nur langsam weiter. Das heißt aber nicht, dass man die Flinte ins Korn werfen soll. Es gibt immer mehr junge Unternehmer*innen, die bereit sind neue Wege einzuschlagen und gemeinsam mit Big Playern der Modewelt und vielen Supportern können Transformationsprozesse greifen.

Wir brauchen allgemein mehr Inklusion

Fehlender Zugang zu passender Kleidung ist nur ein kleiner Teil eines noch viel größeren strukturellen Problems, denn wir brauchen allgemein Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

In einer Gesellschaft, in der Individualität und Selbstbestimmung immer wichtiger wird, dürfen wir nicht die Menschen vergessen, denen menschengemachte Barrieren im Weg stehen. Angefangen bei der Entscheidung, welche Kleidung man tragen möchte bis hin zur Wahl des eigenen Wohnverhältnisses: Unsere Gesellschaft bietet vielen Menschen noch nicht genug Möglichkeiten zur Selbstbestimmung. Kleidung ist ein essenzieller Bestand, um in der Gesellschaft zu funktionieren – Mode ein effektives Tool für die eigene Individualität und Identität. Diese Schritte müssen wir nehmen – wir können uns vor der Ungleichheit nicht verschließen.

 Autorin: Jessica Dierich
Überarbeitung & Übersetzung: Natalia Wisniewski, Elisabeth Kitzerow

 



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